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Analog fotografieren mit der Lumix S5: Warum Einschränkung mehr Freiheit schafft

Eine hochmoderne Digitalkamera, die fotografiert wie eine analoge.

Das klingt widersprüchlich. Ist es aber nicht.

Ich habe mir die heute auch nicht mehr ganz aktuelle Lumix S5 für meine Freizeit-Fotografie geholt. Nicht wegen ihrer High-Tech-Features, sondern genau wegen des Gegenteils. Ich wollte entschleunigen.

Also habe ich mir, zumindest um die Kamera kennenzulernen, selbst ein paar Regeln auferlegt:

Die Regeln

Nur manuell fokussieren und belichten. Keine Autofokus-Spielereien. Keine Messmodi, die mir das Denken abnehmen.

Kein Chimping. Nach jeder Aufnahme diszipliniert bleiben. Nicht checken, ob die Belichtung passt, die Schärfe sitzt. Das schafft Vertrauen in mich, in die Kamera, in den Moment.

Nur JPEG. Keine RAW-Dateien, keine Nachbearbeitung am Computer. Was die Kamera speichert, ist fertig. Das zwingt mich, beim Fotografieren präsent zu sein.

ISO 400 fest eingestellt. Keine Automatik. Eine Einstellung, mit der ich mich arrangierst, arrangieren muss.

Filmsimulationen in der Kamera. Ich habe mir zwei Profile angelegt: eine Farbsimulation, eine Schwarzweiß. Beide nach analogen Filmen modelliert. Wenn ich eine Stimmung will, wähle ich die entsprechende. Wer hier an Fuji denkt: Genau richtig ;-).

Das ist es: Fünf Selbstbeschränkungen.

Was passiert mit Einschränkung

Man könnte denken, das macht dich langsamer. Weniger flexibel. Frustriert dich vielleicht.

Aber das Gegenteil ist der Fall.

Wenn du nicht ständig die Technik überprüfst, kannst du fotografieren. Wenn du nicht zwischen hundert Optionen wählst, triffst du schneller Entscheidungen. Wenn die Kamera nicht für dich denkt, musst du denken – und das ist die beste Vorbereitung für jeden Moment.

Manuell fokussieren bedeutet: Du entscheidest bewusst, nicht die Kamera. Du findest die Schärfenebene selbst. Das ist langsamer, ja. Aber du bist präsent.

Kein Live-Review aka Chimping bedeutet: Du vertraust. Das führt zu weniger Zweifeln, weniger Nachschießerei, weniger Bildern, die nachher in der Tonne landen. Du machst dein Bild und machst das nächste.

JPEG statt RAW bedeutet: Die Entscheidung liegt nicht bei der Nachbearbeitung. Sie liegt beim Fotografieren. Das zwingt dich, beim Aufnehmen richtig zu arbeiten.

Und ganz im Vertrauen: Ich fand es anschließend sehr erleichternd, am Rechner zu sitzen, Bilder auszusuchen und nicht noch lange an den Tonwerten herumzumachen. Erholsam.

Das Objektiv

Die Lumix S5 kommt mit dem S 50mm f/1.8 – im Grunde ein Leica-Summicron-Klon. Nach den ersten Aufnahmen war ich überrascht.

Das ist nicht einfach „ein Objektiv“, eine Kitlinse, ein Nifty Fifty. Das ist Handwerk, wenn auch in Plastik gepackt. Die Schärfe, die Bokeh-Qualität, die Farbwiedergabe – alles sitzt. Eigentlich habe ich den Plan, mir nach einem Jahr Bedenkzeit ein Leica-Objektiv zu holen. Allerdings, wenn ich die Ergebnisse so sehe, bin ich mir nicht sicher, ob das wirklich Not tut.

 

Ein Tag im Wald und am Strand

Fotowalk bei grauem Wetter in Flensburg – Wald, Strand, Licht.

Nach einer Stunde hatte ich mich in die Kamera „eingelebt“. Manueller Fokus wurde zur Routine. ISO 400 war kein Kompromiss mehr, sondern eine Konstante. Die JPEG-Entscheidung: getroffen, weiter, nächstes Motiv.

Das Ergebnis: Ich habe fotografiert wie seit langem nicht. Präsent. Fokussiert. Manchmal auch schnell.

Nicht weil die Kamera toll ist. Sondern weil ich mir selbst nicht im Weg stand.

Die Ironie der Moderne

Wir kaufen digitale Kameras mit tausend Features – und nutzen analog wirkende Selbstbeschränkungen, um wieder fotografieren zu können.

Verrückt. Verrückt?

Die moderne Technik gibt dir die Freiheit, dir selbst Grenzen zu setzen. Aber nicht, weil Grenzen limitieren. Sondern weil sie dich fokussieren.

Wenn du merkst, dass deine Fotografie zu kompliziert geworden ist, probier es mal aus. Schalte alles ab. Belichte manuell. Vertrau deinen Augen.

Manchmal braucht die digitale Zukunft ein bisschen analoge Vergangenheit.

2 Responses
  1. Hallo Tilman, schöne minimalistische Fotos………. So in etwa mache ich auch Fotos auf den Münchner Friedhöfen.. Allerdings benutze ich trotzdem RAW, einfach weil ich in der Serie einen konstanten Look haben will, je nach Jahreszeit, und ich vorher einfach noch nicht weiss, wie die Serie als Ganzes wirkt. Ich habe auch Konverter für meine alten Canon-FD Objektive., die ich gerne auf dem Friedhof benutze. Das ist eine ganz andere Art des Fotografierens als das hektische „Menschenfotografieren“, welches ich ja auch betreibe, wenn auch nicht professionell wie Du…. Für mich persönlich ist es, klingt jetzt kitschig, Meditation…. Du musst Dich voll auf das Motiv und die Gestaltung konzentrieren… Auf der anderen Seite, es ist keineswegs so, dass man manuell „schlechter“fokussieren kann. Im Gegenteil, wenn man die Tiefenschärfe (Schärfentiefe) seiner Kombi kennt und sogar noch ein altes Objektiv mit Skala hat, dann ist man schneller wie jeder Autofocus in diesem Bereich. Benutze ich bei meinen Ricohs ausschliesslich. Nur wenns dunkel ist, schalte ich auf den lahmen Autofokus um. Dann ist der Bereich wegen der offenen Blende zu klein. Aber schön, dass Du uns daran wieder erinnerst!

    1. „Meditation“ – das ist meiner Meinung nach überhaupt nicht kitschig. Für mich ist diese Herangehensweise tatsächlich meditativ, und die Zeit, die ich mir bewusst nehme, mit der Kamera privat loszuziehen, ist unbezahlbar und für mich eine kurze Auszeit. Danke für deine Gedanken dazu ;-)!