Weissraum
Kommentare 1

Weißraum. Keine Angst vorm leeren Frame.

Erinnere ich mich an meine Kindergarten- oder frühe Schulzeit zurück, war Weißraum unerwünscht. Als wir mit Malkasten und Pinsel bewaffnet vor dem leeren Blatt saßen, hieß es oft: Da soll kein Weiß mehr zu sehen sein, malt alles schön voll.

So scheinen auch manche Fotografen zu denken. Und nichts scheint sie mehr zu ängstigen, als ungenutzter Platz in ihrem Bildrahmen. Dabei ist der Negative Space – so die englische Entsprechung – ein nicht zu vernachlässigendes Gestaltungsmittel.

Weißraum ist weitaus mehr als nur eine leere Fläche in deinem Bild. Er hat eine wichtige Funktion. Deine Bildaussage wird nicht nur durch den eigentlichen Bildinhalt erzeugt. Sie erfährt durch die freie Fläche eine zusätzliche Unterstützung.

Man könnte auch sagen, dass der Weißraum derjenige Bestandteil des Bildes ist, der dein eigentliches Motiv erst zur Geltung bringt. Durch ihn bekommt es die erforderliche Aufmerksamkeit.

Weißraum: Nicht (immer) weiß.

Der Ausdruck ist natürlich irreführend. Mit der Farbe „Weiß“ hat er in der Fotografie nicht viel zu tun, aber er ist aus der Typografie entlehnt, und da ist das Papier unter den Buchstaben nun einmal meistens weiß.

Weißraum, schwarz.

Weißraum, schwarz.

Musik lebt und atmet durch die Pausen und die Stille zwischen den Tönen. In der Typografie macht der Weißraum einen Text erst richtig lesbar. So leben auch viele gute Bilder erst durch den Einsatz von „Pausen“. Das heißt nun nicht, dass in jedem Bild ein großer Negative Space vorkommen muss, wenn der Figur-Grund-Bezug ohnehin schon stark ist. Aber wenn du erst einmal die Angst vor der Tatsache verloren hast, dass auch ein Großteil des Bildes einfach mal leer sein darf, hast du ein weiteres starkes Werkzeug zur Hand.

Weissraum, fast weiß.

Weissraum, fast weiß.

Klassischerweise sieht man in Landschaftsaufnahmen häufig viel Weißraum, meist den Himmel. Das betont häufig den Eindruck von Weite und Ruhe. Jedoch ist die Bedeutung und Wirkung in anderen Bildern mitunter komplett anders. Wird er durch eine kahle Hochhauswand hinter einem kleinen Kind oder einen schwarzen Himmel über einer Gruppe von Bootsflüchtlingen erzeugt, entstehen ganz andere Assoziationen.

Das eigentliche Geschehen, das Motiv selbst findet woanders statt. Wenn du aber den Weißraum einmal auf einem Bild abdeckst, wirst du merken, dass die Betonung und Unterstreichung des Motivs fehlt. Es kann sein, dass das Bild von seiner Stärke verliert.

Schaue einfach mal auf deinen Streifzügen oder bei der nächsten Fotosession, wie du etwas mehr Luft in das eine oder andere Bild bekommst. Es wird sicherlich nicht bei allen Bildern funktionieren, aber bei manchen wirst du sehen, dass sie zu atmen beginnen.

1 Kommentar

  1. Ich mag das Spiel mit dem „negative space“.
    Es ist eine von vielen Möglichkeiten, ein Bild optisch Auszubalancieren, ein optisches Gleichgewicht zwischen den einzelnen Elementen zu schaffen.
    Das Motiv kann atmen und sich entfalten, wird nicht durch die Enge der Bildränder erdrückt.
    LG
    Michael

Schreibe eine Antwort