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Straßenportraits – Grenzen?

Heute war ich ein weiteres Mal unterwegs, streunte durch Flensburgs Innenstadt.

Mehrmals hatte ich Kontakt zu anderen Menschen aufgenommen bzw. sie zu mir, jedoch empfand ich für mich die Frage nach einem Foto jeweils für eher unpassend (ein Mensch mit geistiger Behinderung, ein weiterer war ein Bauarbeiter innerhalb einer größeren Kolonne).

Etwas später sah ich einen Schwarzen auf einer Mauer an der Straße sitzen. Umgehend sprach ich ihn an, er war sehr nett und meinte dennoch, dass er nicht fotografiert werden wolle – auch wenn er ein interessantes Gesicht hätte.

Ich ging weiter in Richtung Neustadt, wo mir aus dem Augenwinkel ein Mensch auffiel, der eine Frau um Geld anbettelte. Von jener abgewiesen, steuerte er auf mich zu („Kann ich dich was fragen?“). Kontaktaufnahme andersherum. Wir hatten ein nicht gerade nettes, dafür intensives Gespräch, das sich um seelische wie körperliche Grausamkeiten in der Kindheit drehte sowie um die Spätfolgen (Alkoholismus etc.). Ich durfte ein paar Bilder machen, aber nach einigen Aufnahmen wurde mir bewusst, in welcher Lage sich dieser Mensch befand – er kämpfte kaum zu verbergen mit den Tränen. Ich sagte ihm, dass ich besser aufhören wollte und entschuldigte mich bei ihm für mein „Eindringen“. Er erwiderte jedoch: „Nein. Mach weiter. Ich setz mich nur da vorne hin, dann kannste weiter loslegen.“ Ok. Akku gewechselt, noch ein paar Aufnahmen gemacht. Bedankt. Und um eine Erfahrung reicher meines Weges gezogen.

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