Hände vor Gesicht. Probleme?
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Ruhe bewahren. Probleme lösen.

So ganz ohne Probleme geht es ja offenbar nie. Und je weniger man sie gebrauchen kann, umso mehr davon kommen um die Ecke. Aber offenbar ist es genau das, worum es allgemein in Projekten geht und natürlich auch in der Fotografie immer irgendwo präsent ist. Probleme zu lösen, etwas gut über die Bühne zu bringen und daran zu wachsen.

Besonders in der vergangenen Woche bin ich mit einer Vielzahl von Situationen konfrontiert worden, in denen ich bisweilen erst einmal tief durchatmen musste. Hier kommen ein paar Highlights.

Blitz streikt

Tja, das darf eigentlich überhaupt nicht vorkommen, aber… Wenn du innen mit Blitzlicht fotografieren wolltest, dein Blitz aber aus irgendwelchen Gründen den Geist aufgibt, ist das Tageslicht dein Feund. Vorausgesetzt natürlich, dass es Tag ist. Ich weiß, das klingt banal, aber häufig – und vor allem in etwas aufgeregteren Situationen – kommt man (in diesem Fall ich) nicht auf das Naheliegendste.

Bringe dein Model an das Fenster heran, so nah wie möglich! Unter Umständen – auch abhängig davon, welche Stimmung du erzeugen willst, musst du mit einem Reflektor ein paar Schattenpartien aufhellen. Ich hatte mir vor Jahren einen billigen 5-in-1-Reflektor zugelegt, den ich immer mehr zu schätzen weiß. Das Tolle daran ist, dass der nicht streiken kann. Wenn du aber einen Reflektor benutzt, brauchst du auch einen Halter. Ein weiteres Stativ, einen Stuhl, oder du hältst das Teil selbst mit einer Hand. Am schönsten ist es, wenn man Menschen mit einbeziehen kann, die mit am Set sind und sich freuen, helfen zu können.

Wenn du draußen bist und eigentlich blitzen wolltest, bist du ebenfalls mit einem Reflektor gut bedient. Es gibt – ja auch heute noch – hervorragende Fotografen, die ausschließlich mit Großformatkamera, Film, Tageslicht und Aufheller arbeiten. So entstehen klassische Portraits mit Charakter (Ok, auch der Fotograf spielt dabei eine gewisse Rolle…). Es muss also gar nicht so kompliziert sein. Just keep it simple.

Sehr kleine Räume

Ich hatte für ein gewisses Projekt einen Raum zur Verfügung, der wichtig war, aber auch extrem klein. Ein Tisch und ein paar Stühle, ein Schrank. Mehr passte dort nicht wirklich hinein, bis auf mich und das Model. Keine Chance, da auch noch ein Blitzstativ mit Schirm aufzubauen. Ich ging verschiedene Möglichkeiten durch, und kam dann auf die Idee, durchs Fenster zu blitzen. 2 Umstände erleichterten mir das: Der Raum lag erstens im Erdgeschoss, so konnte ich den Flash einfach draußen aufstellen. Zweitens war das Fenster mit einem weißen Plissee ausgestattet, das ich komplett hochzog und als Diffusor verwendete. Bingo!

Wenn ich kein Plissee gehabt hätte? Dann hätte ich von irgendwo ein weißes Laken auftreiben müssen. Wenn allerdings das ganze nicht im Erdgeschoss, sondern höher stattgefunden hätte, was dann? Nun, Räume haben Türen, und ich habe ganz gute Erfahrungen damit gemacht, nicht direkt im selben Zimmer zu blitzen, in dem ich fotografiere, sondern indirekt im Raum bzw. Flur daneben, um diesen als große Lichtquelle zu benutzen. Damit kannst und solltest du mal experimentieren, wenn du das Licht gut abstimmst, kommt der Eindruck von Fensterlicht dabei heraus. Zudem kannst du dann das eigentliche Fensterlicht zum Aufhellen nutzen, je nachdem, wie der Raum so aufgebaut ist.

Leute möchten fotografiert, aber nicht erkannt werden

Klingt etwas paradox, aber gerade in Projekten mit sozialer Ausrichtung ist es gang und gäbe, dass manche Menschen anonym bleiben möchten.

Was also tun? Verzichte auf das Gesicht oder auf andere eindeutige Merkmale und konzentriere dich z.B. auf Details. Lasse das Model sein Gesicht verbergen. Das Arbeiten mit Händen, oder Ansichten von hinten können einen starken Ausdruck vermitteln. Du kannst auch mit Schärfentiefe arbeiten, und etwas – einen Gegenstand oder einen Körperteil – im Vordergrund platzieren. Das Gesicht verschwimmt dann unscharf im Hintergrund. Wie du mit Schärfentiefe umgehst, weißt du, oder?

Das waren jetzt drei – nicht so seltene und ungewöhnliche – Schwierigkeiten, die du jedoch gut umgehen oder gar nutzen kannst. Wenn du das gut machst, kommt etwas ganz Besonderes dabei heraus!

Aber es sind eben auch nur drei Beispiele. Grundsätzlich kann man sagen: Was schief gehen kann, geht schief, und du musst dann das Beste aus der Situation machen. Regen bei Außenaufnahmen im Garten, Sprachbarrieren, zuviel Sonne, zuwenig Licht, Menschen, die anderweitig körperlich oder geistig beeinträchtigt sind. All das sind Dinge und Situationen, die du bestehen musst.

Also: Wenn du so etwas auch schon einmal erlebt und vor allem gemeistert hast, kannst du gerne mal von deinen Erfahrungen berichten.

Ich freue mich, von dir zu hören!

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