Jazz
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Oper? Oder doch eher Jazz?

Gehst du lieber in die Oper oder hörst du eher Jazz? Die Frage kannst natürlich nur du selbst dir beantworten, und dich dann fragen, warum das so ist. Und nicht selten wirst du dabei feststellen, dass du gar nicht absolut sagen kannst „eher das eine oder doch das andere“. Was Musik betrifft, gibt es fast überall Momente, die einen berühren. Und da ist es egal, aus welchem Genre sie gerade stammt. Was ist es, das dich dann gerade fesselt oder berührt?

Vielleicht kann man sagen, dass es der Moment ist, in dem du spürst, dass der Künstler (Komponist, Musiker, Maler, Fotograf) in dem Werk aufgeht, seine Seele dort hineinlegt. In dem er eine Saite anschlägt, die auch etwas in dir zum Schwingen bringt. Das kann eine Cellosuite von Bach sein, eine Passage in einem Stück von Neurosis oder der Beginn von Mondonvilles Motetten. Eine Arbeit von Mike Kelley oder Jeff Koons oder von Donald Judd.

Wenn du eine gewisse Sensibilität hast, wirst du merken, dass Grenzen verschwinden und es eine Frage der inneren Einstellung zu den Dingen und der Welt ist. Aber manchmal ist es eben auch so, dass das eine dich mehr berührt als das andere. In der zeitgenössischen Kunst könnte man vielleicht eher sagen, dass es die Arbeit ist, zu der du einen Zugang bekommst, während du mit anderen deine Schwierigkeiten hast.

Geschmäcklerisch oder nicht?

Neulich sah ich den Film „Das Salz der Erde“ von Wim Wenders über Sebastiao Salgado. Ja, der Film hat mich sicher auch berührt, einige Bilder von Salgado finde ich ebenso ergreifend. Und unbestritten ist Salgado immer eins mit seinem Medium. Aber wenn ich mir dagegen Bilder von James Nachtwey ansehe, der in dem Film  „War Photographer“ teilweise die gleichen Sujets und Schauplätze (z.B. Ruanda) behandelt, bemerke ich, dass bei mir noch eine andere Ebene angesprochen wird. Ich kann gar nicht beschreiben, welche Ebene das ist oder welcher Resonanzraum (um beim Bild der Musik zu bleiben) da ins Schwingen kommt, jedenfalls fällt es mir schwer, da meine Tränen zurückzuhalten. Was keinesfalls eine qualitative Wertung bedeutet.

Was zeigt mir das? Manches lässt sich nicht in Worte fassen. Und ich meine da etwas, das über das bloße Geschmacksurteil hinausgeht („mag ich, mag ich nicht so…“). Bei den paar – bewusst subjektiv ausgewählten – erwähnten Künstlern steht außer Frage, dass sie ihre Passion voll und ganz leben bzw. lebten. Dass sie etwas tun, nicht, weil sie es immer gerne machen. Sondern weil sie in ihrem Inneren spüren können, dass es da etwas gibt, das gesagt, gezeigt, hörbar gemacht werden muss, auch wenn es manchmal sehr schmerzhaft ist. Und auch, weil sie eins mit ihrem Werk sind.

Sieh! Mit Schmerzen!

So ist aber nicht alles, was unter „Schmerzen“ entsteht, immer gut. Streetfotografie ist nicht deshalb gut, weil man den schmerzhafteren Weg gegangen ist. Ich nenne das jetzt mal so, auch wenn es nichts mit Schmerz direkt zu tun hat, sondern mit Hemmungen, Überwindungen und Ängsten. Ein gutes Streetbild kann durch Zufall entstehen. Aus einer Situation heraus, in der du eins mit der Szene bist, die du fotografierst.

Also: Oper oder Jazz? Ich würde Street eindeutig dem Jazz zuordnen, in dem das Unvorhersehbare normal ist. Eigentlich weiß man nie, was im nächsten Moment um die Ecke kommt. Aber über Qualität oder Wert sagt das nichts aus.

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