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„Kannste vielleicht morgen Fotos machen?“

Man stelle sich vor, ein befreundeter Nachbar lädt einen zum Geburtstag ein und fragt einen Tag vorher, ob man bereit wäre, Bilder zu machen. Ohne weitere Vorgaben, völlig frei in der Ausführung. Einfach nur, damit später ein paar nette Erinnerungsfotos da sind.

Ok, klingt easy, ist es eigentlich auch, zumal es kein Job ist, für den man einen Preis aufrufen würde, sondern eine Art Gefälligkeit. Den Wunsch wollte ich ihm also nicht verwehren, einmal aus Sympathie heraus, und auch weil ich natürlich auch daran denke, selber immer wieder etwas zu lernen, und wenn es durch Fehler oder Widrigkeiten geschehen sollte. Und davon gab es dann auch einige.

Trotzdem habe ich mir in diesem konkreten Fall vor ein paar Tagen schon ein paar Gedanken gemacht. Es handelte sich übrigens um einen runden Geburtstag mit 100+ Gästen, und alles sollte locker und sehr ungezwungen vonstatten gehen. Und ich wusste, dass andere ebenfalls ihre Knipskisten dabeihaben würden – an Erinnerungsfotos würde es also nicht mangeln.

Ich hatte mir vorgenommen, nicht zu blitzen (ich wusste, das würde auf Dauer etwas nervig für die Gäste; wäre das ein paid Job gewesen, hätte ich sicherlich geblitzt), auch um nicht weiteraufzufallen. Dass das Licht sehr schwierig sein würde (Stichwort Schummerlicht) wusste ich, und ich packte das Minolta Rokkor 40mm/2.0 auf die X-T1. Wohlweislich nahm ich auch noch einen Ersatzakku mit.

Insgesamt sind in den 6 Stunden, die ich auf der Party verbrachte, etwas mehr als 230 Bilder auf der Speicherkarte gelandet, von denen ich später ca. die Hälfte als ok eingestuft hatte, und die entweder scharf oder stimmungsvoll waren. Der Akku machte nach ca. 200 Aufnahmen schlapp, gerade dann, als ich das Tresenteam fotografieren wollte, welches sich kurz danach wieder verzog, um die Gäste zu bedienen. Blöd, das. Hier hätte der Batteriegriff geholfen, oder auch ein regelmäßigerer Blick auf die Ladeanzeige. Dass die ansonsten nahezu perfekte Kamera kaum Toleranz zwischen „Akku voll“ und „total alle“ hat, ist ein echtes Manko. Zur Ehrenrettung muss ich aber auch sagen, dass die Fuji zu dem Zeitpunkt bereits länger als 5 Std. auf Standby war. Trotzdem, an dieser Stelle vermisste ich schon die gute alte Nikon D700, unschlagbar in Punkto Akkulaufzeit. Aber: Mit einer dicken DSLR wäre ich weitaus häufiger angesprochen worden bzw. aufgefallen. So haben nur sehr wenige Leute überhaupt mitbekommen, dass ich eine Kamera dabei hatte oder gar fotografierte. Großes Plus. Sneak-Mode, sozusagen.

Für die Resultate, die ich meinem „Auftraggeber“ tags drauf in die Hand drückte, hätte ich nicht wirklich Geld genommen, aber tatsächlich war er mehr als begeistert von den Bildern. Das hätte ich zwar in dem Maße nicht erwartet, aber gefreut hat es mich umso mehr. Und ich bin doch froh, es gemacht zu haben.

Learnings:

  • ich hätte den Batteriegriff nehmen sollen, oder mehr auf die Ladung achten sollen
  • Man kann mit der X-T1 auch tanzen, ohne dass es einen selbst oder andere stört
  • ISO 6400 und mehr sind hilfreich
  • Aber in schattigen Bereichen ist auch das schwierig
  • RAW ist ein Muss unter diesen Bedingungen
  • Auch unscharfe Bilder können schön sein

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