Komfortzonen - Straßenfotografie
Kommentare 1

Ausweitung (?) der Komfortzone

Das Titelbild ist bestimmt kein Meisterwerk, aber es illustriert ein wenig den Prozess, den ich gerade durchmache. Habe ich vor nicht ganz einem Jahr noch Laternenpfähle oder andere unbelebte Straßenobjekte fotografiert, bewege ich mich mittlerweile ungeniert mit Kamera durch den öffentlichen Raum und kümmere mich nicht mehr um das, was andere denken.

Wie kann Straßenfotografie auch für andere fotografische Projekte (oder gar für die eigene Entwicklung) nützlich sein? Wenn du eine zeitlang auf der Straße fotografierst, und dies stets weiterentwickelst, wirst du daraus einige wichtige Erkenntnisse ziehen.

Du

  • lernst, Situationen im Voraus zu sehen, erkennen und sich auf diese einzustellen
  • lernst, schnell zu sein und zu handeln
  • hast das Bild gemacht, bevor es jemand anders mitbekommen hat
  • lernst deine Kamera genau kennen – auch, indem du viele Fehler machst (mein Kunstprof sagte mal „Fehler sind sehr wichtig! Mach‘ sie!“)

Wenn du dich fragst, warum nicht mehr als nur schlechte bis mittelmäßige Bilder aus deiner Kamera kommen, musst du dich aus deiner Komfortzone trauen.

Was aber ist eigentlich die Komfortzone? Ich denke, dass sie durch ganz individuelle Faktoren bestimmt wird, und ich möchte das gar nicht so weit auswalzen. Klar ist, dass sie je nach Erfahrungslevel ganz unterschiedlich ausgebildet ist. Es kann sich um eine rein physische Zone handeln, die relativ leicht zu verlassen ist. Wenn ich z.B. nur aus meiner „normalen“ Perspektive, bedingt durch meine Körpergröße und -haltung, fotografiere, sollte ich vielleicht einmal die Frosch- oder Vogelperspektive einnehmen, also auf die Knie gehen oder einen erhöhten Standpunkt suchen. Oder bewusst kühne Perspektiven und Anschnitte zulassen, anstatt immer in Waage und an den Senkrechten ausgerichtet zu fotografieren. Relativ einfach, eigentlich.

Hartnäckiger und etwas schwerer zu verlassen ist die psychologische Komfortzone. Sie lässt sich häufig an den Bildern ablesen, an dem sogenannten Fear Factor, wie ihn Chuck Jines nennt.

Der Angstfaktor kann z.B. der Abstand des Fotografen und der Bildränder vom Motiv und vom eigentlich interessanten Bildteil – meistens Menschen – sein. Wenn du diesen wiederum physischen Abstand überwindest, kommst du aus der Komfortzone in ein unbekanntes Terrain. Dies ermöglicht neue, andere Bilder. Du beginnst, dich mit dieser zunächst unbequemen Situation zu arrangieren, und beim nächsten Mal wirst du sicherer und mit einem anderen Drive an die Sache gehen. Irgendwann wirst du dich hier fast wohlfühlen. Und wieder einen Schritt weiter aus deiner (nun erweiterten) Komfortzone heraustreten wollen.

Wie man seine Angst überwindet haben übrigens unter anderem Thomas Leuthard oder Eric Kim ziemlich gut erläutert.

1 Kommentar

  1. Pingback: Über Angst – Tilman Köneke

Schreibe eine Antwort