Blende - weit geöffnet.
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58mm. Alt, aber bezahlt.

Nachdem ich das Vierziger quasi wiederentdeckt hatte, machte ich mich auf die Suche nach einem klassischen Portrait-Objektiv. Es sollte eine hohe Lichtstärke haben und nicht mehr als 100,00 kosten. Natürlich hätte ich auch das Fujinon 56mm/ f1,2 toll gefunden. Aber ich mag nun mal altes Glas, und der Preisunterschied von 800-900 Euro ist für mich auch ein Argument ;-).

Relativ schnell wurde ich in der Minolta-Familie fündig, las ich doch recht häufig von den 58mm-Rokkoren mit Lichtstärke 1,2 bzw. 1,4. Da draußen scheint es noch einige zu geben, und so konnte ich für kleines Geld ein Rokkor MC 1,4/ 58mm erstehen. Das entspricht ca. 85mm im Kleinbild-Format, eine klassische Portrait-Brennweite also.

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Warum aber sollte ich mir eigentlich ein uraltes Objektiv zulegen, das noch nicht einmal Autofokus hat?
Nun, dafür gibt es mehrere verschiedene Gründe. Zum einen kann man, wenn man über den aktuellen Produktpaletten-Tellerrand schaut, das eine oder andere Schätzchen entdecken und das eine oder andere Schnäppchen machen. Altes Glas ist häufig sehr günstig zu haben (ein Bekannter erzählte mir neulich, er hätte ein Pentax-Porträt-Objektiv für 2,00 Euro geschossen, das mit Adapter auf seine Fuji X-Pro2 passt. Noch Fragen?).

Minolta Rokkor 58mm/1,4 - Bokeh

Das manuelle Fokussieren erfordert natürlich mehr Übung, aber es gibt einem mehr Kontrolle über das Bild. Es lässt einen meiner Ansicht nach bewusster fotografieren.

  • Features:
  • „Berg- und Tal-Variante“. Damit ist das Profil des Scharfstellrings gemeint. Die Rokkore der ersten Generation haben diesen Metall-Fokusring.
  • Gehäuse aus Metall, kein Kunststoff
  • Äußerlicher Zustand ist ordentlich für das Alter. Klar, etwas „abgegriffen“, aber sehr solide und technisch einwandfrei.

Interessanter Nebeneffekt: Wenn man vorher nur mit einer Brennweite fotografiert – in meinem Fall 40mm – ist der Umstieg immer wieder erstaunlich, wenn man plötzlich einen anderen Bildwinkel hat, ein Bokeh etc. Es ist als würde das fotografische Universum um einen Raum erweitert. So etwas bekommt man gar nicht mit, wenn man mit einem Zoom-/Kit-Objektiv fotografiert. Der Blick für Details wird also aufmerksamer, achtsamer und geschärfter. Ich hatte selber länger mit dem Gedanken gespielt, mir das Fujinon 18-55mm zuzulegen, bin nun aber froh, es nicht getan zu haben, auch wenn es wesentlich besser als manch anderes Kit-Objektiv sein mag, sowohl von der Beschaffenheit und der Bildqualität.

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Fazit

Scharfstellen ist erstaunlicherweise wesentlich einfacher als ich erwartet hatte, hat das Teil doch den großzügigen Berg- und Tal-Einstellring. Wenn man also nicht gerade bei Offenblende arbeitet, kann man ab 2,8/ 4,0 ziemlich schnell und sicher scharfstellen. Darunter (1,4 bzw. 2,0) muss man sehr genau arbeiten, bekommt bisweilen Farbsäume an Kanten, wird dafür mit einem sehr schönen Bokeh belohnt.

  • Pros: Robust, lichtstark, günstig, ideales Porträtobjektiv
  • Kons: nicht ganz klein, nicht ganz leicht, gelegentlich Farbsäume bei Blende 1,4-2,8

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