Gestaltung mit Linien
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10 Gründe, Linien zu nutzen. Versuch einer Liste.

Wahrscheinlich machst du das sowie schon: auf Linien achten. Linien sind die Basis vieler guter Bilder und können deiner inhaltlichen Aussage zusätzlichen Schliff geben.

  1. Horizontale Linien erzeugen Ruhe. Wenn jemand in der Horizontalen ist, dann schläft er, ist bewusstlos oder gar tot. Ein gerade gezogener Horizont kann Weite erzeugen, kann aber auch langweilig sein. Deshalb benötigst du auch noch andere Elemente in deinem Bild, wenn es etwas spannender sein soll.
  2. Vertikale Linien sind stabil. Und erzeugen einen Eindruck von Lebendigkeit, denn andernfalls wären sie nicht aufrecht. Ein Baum wächst in die Höhe, von unten nach oben. Wenn ein Mensch steht, dann ist er lebendig, mit beiden Beinen auf dem Boden stabil und sicher. Natürlich gibt es dazu unendliche Abwandlungen. Kopfstand, oder auf einem Bein etc. Aber ich glaube, der Grundgedanke wird klar.
  3. Diagonalen, Schrägen. Jetzt ist’s schon etwas trickier. Wenn eine Diagonale im Bild ist, wirkt das erstmal instabil, etwas ist im Begriff, umzukippen. Aber eine Diagonale, die sich an eine Vertikale lehnt, ist dagegen schon zuverlässiger. Dazu kommt, dass der statische Eindruck der Senkrechten durch die Diagonale aufgehoben wird.
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  4. Kurven und Bögen können gleichmäßig und sehr harmonisch wirken. Gleichzeitig wohnt ihnen eine Spannung inne: Wenn du die Flugbahn eines Balls betrachtest, so hat diese mehrere Phasen. Oder wenn du an eine Geschichte denkst, dann fällt dir dazu vielleicht auch der Begriff „Spannungsbogen“ ein. Eine geschlossene Kurve erzeugt einen Kreis oder eine Ellipse. Dazu mehr unter Punkt 6.
  5. Geschwungene und gezackte Linien. Können sehr gleichmäßig sein (Sinuskurve, Herzfrequenz, wenn alles ok ist) oder auch unregelmäßig. Während gerade und gleichmäßige Linien „vorhersagbar“ sind, können ungleichmäßige Linien Spannung und Unvorhersagbarkeit symbolisieren. Niemand sagt, dass Linien immer gerade gezogen sein müssen. Ein Fluss hat eine eindeutige Richtung, aber er verläuft nie gerade. Und die Kurven, in denen er verläuft, sind immer unterschiedlich. Und daraus resultiert wiederum eine Spannung.
  6. Linien können Formen erzeugen. Wenn du in deinem Bild darauf achtest, einfache Formen zu erzeugen (Quadrate, Dreiecke, Kreise), dann bist du auf dem guten Weg, den Betrachter im Bild zu halten. Ein Bild mit 3 Köpfe, die im Dreieck angeordnet sind, kann (kann!) demzufolge für mehr Aufmerksamkeit sorgen, als wenn die Köpfe in einer geraden Linie aufgereiht sind.
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  7. Linien erzeugen Perspektive und Tiefe. Während Waagerechten und Senkrechten zunächst zweidimensional wirken, kannst du mit Diagonalen in die 3. Dimension gehen. Schaue dir mal die Künstler der Renaissance an, die haben so etwas bis zum Exzess betrieben.
  8. Linien müssen nicht auf den ersten Blick sichtbar sein. Denke einmal an Portraits, in denen sich zwei Menschen anschauen. Sollte klar sein, oder?
  9. Auch senkrechte oder waagerechte Linien können Tiefe erzeugen. Nämlich wenn sie parallel laufen und gehäuft auftreten und in den Raum hineinlaufen. Der Fachausdruck dafür ist „Texturgradient“. Zwei einfache Beispiele sind Treppenstufen oder Latten an einem Zaun.
  10. Wenn du auf etwas zeigen möchtest, dann eignen sich explizite oder auch implizite Linien dafür äußerst gut. Das Gehirn macht aus 2 Punkten meist automatisch eine Linie, sodass es oft nicht nötig ist, eine sichtbare Linie „einzubauen“.
  11. Ja, einen habe ich noch. Alle diese Linienarten lassen sich unendlich kombinieren. Klar. Sie bilden ein quasi unerschöpfliches Repertoire. Und wenn du erst einmal begonnen hast, sie zu suchen, siehst du, dass die sichtbare Welt um dich herum ohne Linien nicht existiert.
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